Roger Waters – Wenn Rockmusik zur politischen Bühne wird
Wie aus dem kreativen Kopf von Pink Floyd einer der umstrittensten politischen Künstler unserer Zeit wurde
Von Carlo Lapadula
Musik als Protest – Eine Tradition des Rock
Rockmusik war nie nur Unterhaltung. Seit den 1960er-Jahren verstehen viele Musiker ihre Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und als Plattform für politische Botschaften. Bob Dylan protestierte gegen den Vietnamkrieg, John Lennon sang Give Peace a Chance, Bruce Springsteen thematisierte soziale Ungleichheit, Bono engagierte sich gegen Armut und für Schuldenerlasse in Afrika.
In diese Tradition reiht sich auch Roger Waters ein. Für Millionen Musikfans ist er bis heute das kreative Genie hinter Pink Floyd und Alben wie The Dark Side of the Moon, Wish You Were Here, Animals und The Wall. Für andere ist er einer der kontroversesten politischen Künstler der Gegenwart. Kaum ein Musiker verbindet Musik, Gesellschaftskritik und internationale Politik so konsequent wie Waters.
Dabei geht es ihm längst nicht mehr nur um Konzerte oder neue Alben. Seine Auftritte sind zu multimedialen Inszenierungen geworden, in denen Musik, Filmsequenzen, historische Bezüge und politische Botschaften ineinanderfließen. Während viele Fans darin eine konsequente Fortsetzung der kritischen Haltung sehen, die bereits Werke wie The Wall prägte, werfen Kritiker ihm vor, Grenzen zwischen politischem Aktivismus und Provokation zu überschreiten.

Vom Architekturstudenten zum Weltstar
Roger Waters wurde 1943 in Surrey geboren. Sein Vater, ein Lehrer und überzeugter Pazifist, fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg in Italien. Dieser Verlust prägte Waters nachhaltig. In zahlreichen Interviews erklärte er später, dass die Erfahrung des Krieges und der Verlust seines Vaters seine Sicht auf Gewalt, Militarismus und Machtpolitik entscheidend beeinflusst hätten.
Gemeinsam mit Syd Barrett, Nick Mason und Richard Wright gründete er Mitte der 1960er-Jahre Pink Floyd. Nach Barretts Rückzug entwickelte sich Waters zunehmend zum kreativen Kopf der Band. Besonders The Wall gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Konzeptalben der Rockgeschichte und beschäftigt sich mit Krieg, Isolation, Machtmissbrauch und gesellschaftlicher Entfremdung.
Schon damals wurde deutlich: Roger Waters wollte nie ausschließlich Musiker sein. Er verstand sich immer auch als politischer Erzähler.
Musik als Gewissen
Nach seinem Ausstieg bei Pink Floyd 1985 verlagerte Waters seinen Schwerpunkt zunehmend auf politische Themen.
Seine Konzerte wurden größer, spektakulärer – und politischer. Riesige LED-Leinwände zeigen Kriegsbilder, historische Filmaufnahmen, Mahnungen gegen Faschismus sowie Botschaften gegen Rassismus und Autoritarismus.
Waters kritisierte in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem:
- den Irakkrieg
- den Vietnamkrieg
- Atomwaffen
- autoritäre Regierungen
- den Einfluss großer Konzerne
- Menschenrechtsverletzungen weltweit
Sein bekanntestes politisches Engagement richtet sich jedoch gegen die israelische Besatzungspolitik gegenüber den Palästinensern.

Warum Roger Waters Palästina unterstützt
Roger Waters besucht seit vielen Jahren die besetzten palästinensischen Gebiete und berichtet, dass Gespräche mit palästinensischen Familien und der Anblick von Sperranlagen, Checkpoints und der humanitären Lage seine Haltung geprägt hätten. Seitdem unterstützt er öffentlich die internationale BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions), die wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Druck auf Israel ausüben möchte, bis nach ihrer Auffassung internationales Recht eingehalten wird.
Waters fordert Künstler regelmäßig auf, keine Konzerte in Israel zu geben. Er veröffentlichte offene Briefe und appellierte an Kolleginnen und Kollegen, kulturelle Boykotte als gewaltfreie Form des Protests zu verstehen. Diese Haltung stößt international auf Zustimmung, aber ebenso auf scharfe Ablehnung. Kritiker werfen ihm vor, der Boykott treffe auch Menschen, die sich innerhalb Israels für Frieden einsetzen. Waters weist diese Kritik zurück und betont, seine Einwände richteten sich gegen staatliche Politik, nicht gegen Menschen jüdischen Glaubens.
Die Kontroverse um Antisemitismus
Roger Waters gehört zu den am stärksten kritisierten Musikern der Gegenwart. Verschiedene jüdische Organisationen, darunter die Anti-Defamation League, werfen ihm seit Jahren vor, mit Symbolik und Äußerungen antisemitische Stereotype zu bedienen.
Waters bestreitet diese Vorwürfe entschieden. Er erklärt, seine Kritik richte sich gegen die israelische Regierung, die Besatzungspolitik und den Zionismus als politische Ideologie – nicht gegen das Judentum als Religion oder gegen jüdische Menschen. Die Debatte darüber ist bis heute äußerst kontrovers und begleitet nahezu jede größere Tournee des Musikers.

Rula Jebreal – Die Journalistin zwischen zwei Welten
Eine wichtige Stimme in der öffentlichen Debatte ist die Journalistin Rula Jebreal. Geboren in Haifa, palästinensischer Herkunft und später in Italien ausgebildet, zählt sie seit vielen Jahren zu den bekanntesten internationalen Nahost-Kommentatorinnen. Sie arbeitete unter anderem für italienische Fernsehsender sowie internationale Medien und veröffentlichte Bücher über den Nahen Osten.
Über Jahre war sie mit Roger Waters liiert. Beide verbindet nach eigenen Aussagen ein gemeinsames Interesse an Menschenrechten, internationalem Recht und der Rolle westlicher Staaten im Nahostkonflikt.
In italienischen Fernsehsendungen kritisiert Jebreal regelmäßig die humanitären Folgen des Krieges in Gaza. Dabei verweist sie häufig auf Berichte der Vereinten Nationen sowie von Menschenrechtsorganisationen und fordert einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung – insbesondere von Kindern. Viele ihrer Aussagen beziehen sich auf öffentlich zugängliche Statistiken internationaler Organisationen und auf Berichte über Vertreibungen, zerstörte Infrastruktur und die Versorgungslage. Gleichzeitig sind ihre Auftritte in Italien Gegenstand kontroverser Diskussionen, da Kritiker ihr eine einseitige Darstellung des Konflikts vorwerfen.

Zahlen, die die Welt erschüttern
Unabhängige Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International dokumentieren seit Beginn des Krieges umfangreiche Zerstörungen, Vertreibungen und hohe zivile Opferzahlen in Gaza. Amnesty International vertritt die Auffassung, dass Israels Vorgehen den Tatbestand eines Genozids erfüllt; Israel weist diese Einschätzung entschieden zurück. Human Rights Watch spricht von schweren Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und dokumentiert unter anderem Angriffe auf zivile Infrastruktur, Vertreibungen und die humanitäre Notlage.
Gleichzeitig dokumentieren dieselben Organisationen auch schwere Verstöße palästinensischer bewaffneter Gruppen, darunter die Tötung israelischer Zivilisten und die Geiselnahmen vom 7. Oktober 2023. Amnesty fordert ausdrücklich die Einhaltung des Völkerrechts durch alle Konfliktparteien.
Fortsetzung folgt in Teil 2: „Rula Jebreal, Hollywood und der kulturelle Protest – Welche Künstler heute ihre Stimme für Frieden und Menschenrechte erheben.“ Darin werden unter anderem öffentliche Stellungnahmen von Brian Eno, Massive Attack, Annie Lennox, Susan Sarandon, Javier Bardem, Penélope Cruz, Mark Ruffalo sowie weiteren Künstlerinnen und Künstlern eingeordnet und der politische Umgang verschiedener europäischer Staaten mit dem Konflikt beleuchtet.
Für mich begeht der Israelische Staat unter der Führung Ihres korrupten Präsidenten Netanjahu klar ein GENOZID in Gaza und Palästina, während die Welt nur redet und debattiert, wir ein ganzes Volk mit seiner Identität ausgelöscht.

Bild oben nahe Mailänder Dom – friedliche Palästina Demos in ganz Italien.
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