Trends und Prognosen im deutschen Musikfachhandel

Seit über 200 Jahren ist der Musikfachhandel mit Instrumenten und Noten in Deutschland präsent. Den Musikalienhändler benannte man 2009 zum „Musikfachhändler“ um.

Was zeichnet einen Musikfachhändler aus?
Musikfachhändler sind für den Verkauf, Vermarktung von Musikalien, Tonträger und Instrumente zuständig. Die Beratung über fachbezogene Waren und Dienstleistungen stehen im Vordergrund. Kenntnisse über Musikgeschichte, Musikliteratur, Musik- und Notenlehre, Kunstgeschichte oder Herstellung und Verwendung von Instrumenten und Tonträgern sind von Vorteil. Sie kooperieren mit Bühnen, Medienanstalten, Konzertveranstaltern und der Tonträgerindustrie.

Entwicklung im Musikfachhandel
In den letzten Jahren wurden erhebliche Umsatzeinbrüche bei den Musikfachhändlern registriert. Die neuesten Entwicklungen sollten nunmehr ernster genommen werden, und dem Trend entgegengesteuert werden.

Aktuelle Fakten (2016):

Die Musikinstrumentenbranche musste in Deutschland im Vorjahr Einbußen hinnehmen:

Auslandsgeschäft:  -4,5% weniger Auslandsumsätze der Instrumentenhersteller
Inlandsgeschäft:     -2,9% weniger Umsätze der Hersteller 2016 im Vergleich zum Vorjahr

Der Rückgang der Umsätze im Musikfachhandel wurde durch die neuesten Entwicklungen und Abkommen geprägt:

  • Kontinuierlicher Rücklauf des stationären Handels
  • Wettbewerbsnachteil deutscher Händler durch das CITES-Artenschutzabkommen
  • Changing Consumer Behaviour: Konsumenten suchen vermehrt Information über Instrumente „online“, der Preis wird ausschlaggebender als die fachliche Beratung und die Qualitätsinstrumente
  • Folge: Starker Zuwachs von Online Shops
  • Existenzgefährdung durch Dumping- und Angebote unter dem Einkaufspreis von ausländischen Online-Anbieter

Der stationäre Musikfachhandel hat in den letzten Jahren stetig abgenommen. Besucher kommen bereits mit über das Netz eingeholten Vorinformationen zum Fachhändler (Changing Consumer Behaviour). Die Händler müssen nunmehr auf ein gemischtes Konzept umsteigen, bestehend aus einem attraktiven Online-Auftritt und einem stationären Shop, um ihre Existenz zu sichern.

Das CITESArtenschutzabkommen, seit Januar 2017 mit seinen strengeren Bestimmungen in Deutschland in Kraft getreten, hemmt die deutschen Musikfachhändler. Nach Angaben deutscher Händler, besteht das Risiko, dass sie aufgrund fehlender Nachweise das gewünschte Produkt nicht an den Endkunden bereitstellen können. Die Händler stehen enorm unter Druck, da Kunden relativ leicht auf Händler im EU-Ausland ausweichen können. Diese verfügen teilweise über weitaus weniger strikten Bestimmungen von Produkten mit der von CITES geschützten Holzarten. Jedoch wurden auf der diesjährigen Frankfurter Musikmesse bereits neue Verfahrenstechniken vorgestellt. Durch thermoenergetische Behandlung stehen Herstellern heimische Holzsorten nun ebenso zur Produktion von hochwertigen Musikinstrumenten zur Verfügung.

Die großen Musikfachhändler sind frühzeitig in das Online-Geschäft eingestiegen. Online Shops werden die Musikinstrumentenbranche auch künftig weitgehend beeinflussen. Innovation und aktive Gegenmaßnahmen online und stationär werden entscheiden, ob Musikfachhändler auch weiterhin bestehen werden.

Dumpingpreise, mit Angeboten weit unter dem Einkaufspreis, wurden vor allem im Weihnachtsgeschäft 2016 von ausländischen Anbietern angeboten. Solche Aktionen verhindern jegliche Preissteigerungen für Musikinstrumente, und verringern die Gewinnmarge der Händler.

Quellen:
Artikel: Cites bewegt weiterhin die Musikinstrumentenbranche, 02/17, Geschäftsverlauf 2016 erfüllt die Erwartungen nicht, 04/17: www.gdm-online.com, Pressetext: Musikmesse 2017: Besucher aus 119 Ländern bei internationalem Branchentreffpunkt: http://m.messefrankfurt.com/www/frankfurt/de/media/
entertainmentmediacreativeindustries/musikmesse/frankfurt/texte/MM-Fachschlussbericht-press.html,
http://www.zbb.de/bildung/ausbildung/ausbildungsberufe/musikfachhaendler-musikfachhaendlerin/

Redaktioneller Beitrag – nur Text:

Joana Fritsche
(freiberufliche Journalistin)

Über Carlo LaPadula

Founder & CEO of mySoundbook.eu