Wie gut sind ELAC, Canton & quadral wirklich aufgestellt – und warum drängen trotzdem immer mehr Hersteller auf den europäischen Markt?
Der Lautsprecher-Markt ist längst übersättigt. Und trotzdem kommen jedes Jahr neue Marken, neue Serien, neue „Preisbrecher“ und neue High-End-Statements. Gleichzeitig kämpfen viele deutsche Hersteller mit steigenden Kosten, einem veränderten Konsumverhalten und einem gnadenlosen internationalen Wettbewerb.
Was bedeutet das für deutsche Traditionsmarken wie ELAC, Canton und quadral – und wer produziert heute überhaupt noch glaubwürdig „Made in Germany“?
Hier kommt eine kompakte Prognose vom mySoundbook Team.
Schwerer Markt, harte Realität: Warum es 2025/2026 für Lautsprecher-Hersteller so unbequem ist
Die Lage ist paradox: Auf Social Media sieht es aus wie ein goldener HiFi-Frühling – in Wirklichkeit ist der Markt im Kern überfüllt.
Die größten Druckfaktoren:
- Kaufzurückhaltung in Europa: Viele investieren lieber in Urlaub, Auto oder Alltag – statt in neue Standlautsprecher.
- Zu viele Marken, zu viele Modelle: Kaum jemand überblickt das Angebot noch. Das führt zu Preiskampf.
- Online dominiert: Marge sinkt, Retouren steigen, Beratungsverkauf stirbt.
- Kosten steigen: Energie, Transport, Personal, Materialien – „Made in Europe“ ist teurer geworden.
- China ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits Absatzmarkt, andererseits Konkurrenz durch günstige Produktion und neue Marken.
Und ja: Ohne China (als Absatzmarkt und/oder Produktionsstandort) würden viele kleinere Hersteller heute nicht mehr existieren – vor allem jene, die rein über Handel laufen und keine starke Direktkunden-Strategie haben.
Wer produziert noch wirklich „Made in Germany“?
Wichtig: „Made in Germany“ ist kein Schwarz/Weiß-Thema. Viele Hersteller entwickeln in Deutschland, lassen aber Teile (Gehäuse, Bestückung, Serienfertigung) in Europa oder Asien fertigen.

✅ Canton: Premium-Serien tatsächlich in Deutschland
Canton ist hier überraschend klar: Laut eigener Aussage werden die hochwertigen Serien (z. B. Reference, Vento, Townus) in Weilrod (Taunus) gefertigt, zusätzlich gibt es ein Werk in Tschechien für andere Serien.
Einordnung mySoundbook:
Canton wirkt solide aufgestellt, weil sie Breite (Mainstream) + Spitze (High-End) abdecken – und mit echter Fertigungskompetenz werben können.
✅ quadral: Deutscher Kern, „AURUM“ als Premium-Aushängeschild
quadral ist eine Marke mit deutschem Ursprung (Hannover) – und AURUM ist die High-End-Linie. Historisch geht das Umfeld bis 1972 zurück.
Spannend: quadral betont bei bestimmten Schlüsselkomponenten (z. B. Bändchen-Hochtöner) sogar die Fertigung im Stammwerk Hannover.
Einordnung mySoundbook:
quadral lebt von Technik-DNA + Kultstatus – und ist genau dann stark, wenn der Kunde „Charakter“ will, nicht nur neutrale Messwerte.

✅ ELAC: Kiel bleibt Identität – Fertigung stark im eigenen Haus
ELAC ist eng mit Kiel verbunden und kommuniziert „deutsche Manufaktur-DNA“ bis heute sichtbar – inklusive eigener Timeline zur Produktion in Kiel.
Gerade im internationalen Pressetalk wird ELAC sehr oft als „echter deutscher Hersteller“ wahrgenommen.
Einordnung mySoundbook:
ELAC wirkt wie ein Hybrid aus Tradition + internationalem Marktverständnis. Wer in den USA verkauft, weiß meist sehr genau, wie brutal Wettbewerb wirklich ist.
Mein klarer Favorit ist ELAC! 👍👍👍👍👍
Perfektion, sehr guter und ehrlicher Klang, modernes Design, hervorragende Verarbeitung, Spitzen-Technik und Innovation, top Service sowie ein sehr gutes Preis-Leistung-Verhältnis und eine stimmige Produktpalette machen die Kieler zu meinen absoluten Favoriten. (CEO mySoundbook, Carlo Fava LaPadula).

Warum drängen immer mehr Hersteller nach Europa – obwohl alles übersättigt ist?
Das ist der Kern der Verwirrung vieler HiFi-Fans:
Wie kann ein Markt überfüllt sein – und gleichzeitig wachsen?
Die Antwort: Es ist nicht ein Markt, sondern mehrere parallel.
1) „Neue Hersteller“ sind oft gar keine klassischen Hersteller
Viele neue Brands sind:
- OEM/ODM-Marken (Fertigung in Asien, Branding in Europa)
- Direktvertrieb (D2C) ohne klassischen Handel
- Lifestyle-Audio mit Design-Fokus
- Smart/Streaming/aktive Systeme statt „klassische Stereo-Passivbox“
Das sieht nach „mehr Wettbewerb“ aus – ist aber oft nur neues Packaging in einem sehr effizienten Fertigungsnetz.
2) Wachstum findet in anderen Segmenten statt
Der klassische Markt „Passivbox + Verstärker + Händlerberatung“ ist nicht der Wachstumsmotor.
Wachstum entsteht eher durch:
- Aktivlautsprecher & Streaming
- Smart-Home & Multiroom
- Custom-Install / Heimkino-Integration
- Portable Speaker / Wireless
Beispiel: Der Smart-Speaker/Smart-Audio-Bereich in Europa wird in Marktstudien weiterhin als großer Wachstumsblock beschrieben.
Die Wahrheit über „China“: Absatzmarkt oder Existenz-Garant?
Für viele Firmen gilt:
China ist nicht nur ein Absatzmarkt – sondern oft ein Wirtschaftsfaktor, der die Entwicklung zu Hause quersubventioniert.
Wenn du in Europa im Preiskampf stehst, brauchst du entweder:
- extrem starke Marke (Prestige),
- extrem starke Technik (USP),
- oder extrem starke Marge (Direktvertrieb, effiziente Fertigung, Skalierung).
China kann dabei helfen – aber es ist auch riskant, weil sich:
- Nachfrage schnell drehen kann,
- lokale Konkurrenz brutal wächst,
- und politische/ökonomische Rahmenbedingungen sich verändern können.
Sind deutsche Lautsprecher-Marken 2025 gut aufgestellt?
Ja – aber nicht automatisch.
Die wichtigsten „Überlebens- und Wachstumsfaktoren“ sind:
✅ 1) Klare Positionierung
Wer alles für alle anbietet, verliert. Gewinner haben eine Botschaft:
Neutral / Studiostandard / Design / High-End / Heimkino / Smart Home
✅ 2) Aktive Systeme & Integration
Passiv-only ist schwer. Aktiv & Streaming ist deutlich näher am heutigen Käufer.
✅ 3) Direktvertrieb & Community
Wer nur über Händler lebt, braucht perfekte Handelspartner.
Wer direkt verkauft, braucht Branding und Vertrauen.
✅ 4) Fertigungsstory, die glaubwürdig ist
„Made in Germany“ ist nicht nur Stolz – es ist Differenzierung im überfüllten Markt. Canton zeigt z. B. sehr konkret, welche Serien wo gebaut werden.
Kleine Prognose vom mySoundbook Team (2026 Blick nach vorn)
Unsere These: Der Lautsprecher-Markt wird nicht kleiner – aber er wird härter selektieren.
Wir erwarten:
- Mehr Konsolidierung: Marken verschwinden oder werden geschluckt.
- Weniger „klassische Neuheiten“, mehr Modellpflege + Updates.
- Aktiv/Streaming wächst weiter, klassische Passiv-Serien werden „enthusiastischer“ (mehr High-End, weniger Mittelmaß).
- Made in Germany/Europe wird Premium – der Preisdruck im Einstiegsbereich wird brutal.
- Heimkino/Installation wird ein Rettungsanker für viele Hersteller.
Wer bestehen will, braucht heute eine von drei Superkräften:
- Ikonische Marke,
- Technik-Vorsprung,
- Vertrieb, der skaliert (online + international).
Fazit: Deutsche Lautsprecher sind nicht am Ende – aber das „leichte Spiel“ ist vorbei
ELAC, Canton und quadral stehen stellvertretend für eine Branche, die sich neu erfinden muss – und das teilweise bereits tut:
Mehr Klarheit, mehr Technikstory, mehr Systemgedanke, mehr Direktvertrieb.
Der Markt ist zwar überfüllt – aber gute Produkte werden nicht verschwinden.
Sie müssen nur lauter, klarer und smarter kommuniziert werden als je zuvor.


