800 Watt, Streaming, HDMI, Phono und echtes Stereo – braucht man heute überhaupt noch eine klassische HiFi-Anlage?
Mit der neuen L/R-Serie betritt Cambridge Audio erstmals konsequent den Markt für aktive Stereo-Lautsprecher. An der Spitze steht die Cambridge Audio L/R X: ein vollaktives Streaming-System, das Lautsprecher, Verstärker, Netzwerkplayer, DAC und Phono-Vorstufe in zwei vergleichsweise kompakten Gehäusen vereint.
Die Briten wenden sich damit an Musikliebhaber, die hochwertigen Stereoklang erwarten, aber weder ein großes Geräte-Rack noch ein Geflecht aus Netz-, Cinch- und Lautsprecherkabeln im Wohnzimmer haben möchten. Gleichzeitig sollen die L/R X kraftvoll genug sein, um auch größere Räume souverän zu beschallen.
Cambridge Audio tritt damit direkt gegen etablierte Systeme wie die KEF LS50 Wireless II an. Doch die L/R X wollen nicht nur praktisch sein. Mit 800 Watt Gesamtleistung, einer neu entwickelten Hochtontechnik, zwei Tieftönern und zwei Passivmembranen pro Lautsprecher verfolgen sie einen durchaus ambitionierten HiFi-Anspruch.
Auffälliges Design mit britischem Understatement
Die L/R X zeigen, dass moderne Aktivlautsprecher nicht zwangsläufig wie nüchterne Studiomonitore aussehen müssen. Das Gehäuse wirkt klar, kompakt und architektonisch, wird durch einen optisch „schwebenden“ Sockel sowie eine dezente LED-Beleuchtung aufgewertet.
Cambridge Audio bietet das System in Schwarz, Weiß, Blau, Grün, Orange und Echtholz-Walnuss an. Besonders Orange setzt ein kräftiges Statement, während sich Schwarz, Weiß und Walnuss problemlos in klassische Wohnräume integrieren lassen.
Jeder Lautsprecher misst 20 × 33 × 26 Zentimeter und wiegt beachtliche 10,4 Kilogramm. Diese Masse vermittelt bereits beim Aufstellen, dass es sich nicht um gewöhnliche Wireless-Boxen, sondern um solide konstruierte Aktivlautsprecher handelt.
Cambridge Audio bietet allerdings keine speziell zur Serie gehörenden Standfüße an. Angesichts des Gewichts und der kräftigen Basswiedergabe sollte man deshalb auf stabile Lautsprecherständer oder ein sehr solides Lowboard achten. Seitlich benötigen die Boxen ebenfalls etwas Luft, da dort die beiden Passivmembranen arbeiten.

Vollaktive Technik mit 800 Watt
In jedem L/R-X-Lautsprecher stehen 400 Watt Class-D-Verstärkerleistung zur Verfügung. Zusammen ergibt das eine nominelle Gesamtleistung von 800 Watt.
Diese enorme Leistungsangabe allein garantiert natürlich noch keinen guten Klang. Sie schafft jedoch große Reserven für dynamische Musik, hohe Pegel und die kontrollierte Wiedergabe tiefer Frequenzen.
Für den Hochton entwickelte Cambridge Audio einen eigenen 28-Millimeter-Torus-Hochtöner. Seine Aluminiumkalotte besitzt zwei unterschiedliche Radien und arbeitet mit einem speziell geformten Waveguide, Phasenring und rückwärtiger Kammer. Gegenüber einer klassischen 25-Millimeter-Kalotte soll die größere Membranfläche rund 25 Prozent mehr Luft bewegen können.
Pro Lautsprecher kommen außerdem zwei 5-Zoll-Tieftöner zum Einsatz. Einer strahlt nach vorne ab, der zweite arbeitet nach unten. Unterstützt werden sie von zwei seitlich angebrachten 6-Zoll-Passivmembranen. Cambridge Audio gibt einen Frequenzgang von 35 Hertz bis 24 Kilohertz bei ±3 Dezibel an.
Die Lautsprecher werden digital von einem 64-Bit-DSP gesteuert. DynamEQ soll den Klang abhängig von der Lautstärke ausbalancieren, während eine elektronische Schutzschaltung die Chassis bei sehr hohen Pegeln vor Überlastung bewahrt. Über die StreamMagic-App stehen verschiedene Klangmodi, eine Raumoptimierung und ein Siebenband-Equalizer zur Verfügung.
Zwischen den Lautsprechern: Kabel oder Funk
Eine Besonderheit der L/R X ist die flexible Verbindung zwischen linkem und rechtem Lautsprecher. Cambridge Audio erlaubt sowohl eine kabelgebundene Kopplung über das mitgelieferte fünf Meter lange USB-C-Kabel als auch eine drahtlose Verbindung über WiSA HT.
Beide Varianten übertragen Audiosignale mit bis zu 24 Bit und 96 Kilohertz. Wer maximale Betriebssicherheit bevorzugt oder in einer Umgebung mit vielen Funknetzwerken hört, kann zum USB-C-Kabel greifen. Wer die Anlage optisch möglichst reduziert aufstellen möchte, nutzt WiSA HT.
Vollständig kabellos ist das System allerdings nicht: Beide Lautsprecher benötigen jeweils einen eigenen Stromanschluss.
StreamMagic Gen 4 als digitales Herzstück
Cambridge Audio besitzt mit StreamMagic bereits langjährige Erfahrung im Netzwerk-Streaming. In den L/R X kommt die vierte Generation der Plattform zum Einsatz.
Unterstützt werden unter anderem:
- Spotify Connect
- Tidal Connect
- Qobuz Connect
- Amazon Music
- Internetradio
- UPnP
- Apple AirPlay 2
- Google Cast
- Roon Ready
Die Unterstützung von AirPlay 2, Google Cast und Roon erlaubt außerdem die Einbindung in eine Multiroom-Umgebung. Für Gäste oder die schnelle Wiedergabe vom Smartphone stehen Bluetooth mit SBC und AAC zur Verfügung.
Audiophile Dateiformate wie FLAC, WAV, ALAC, AIFF und DSD bis DSD256 werden ebenfalls unterstützt. Cambridge Audio weist die L/R X offiziell als Hi-Res-Audio-zertifiziert aus.

Vom Plattenspieler bis zum Fernseher
Bei den Anschlüssen wird der All-in-One-Anspruch besonders deutlich. Neben Streaming und Bluetooth stehen ein analoger Hochpegeleingang, ein optischer Digitaleingang, USB-A, USB-C-Audio und HDMI eARC zur Verfügung.
Über HDMI eARC lassen sich die L/R X direkt mit einem Fernseher verbinden. Die Lautstärke kann anschließend normalerweise über die TV-Fernbedienung geregelt werden. Damit übernehmen die Cambridge-Lautsprecher gleichzeitig die Rolle einer hochwertigen Soundbar – allerdings mit deutlich besserer Stereoabbildung und einer wesentlich breiteren Klangbühne.
Für Vinylfreunde ist eine Moving-Magnet-Phono-Vorstufe eingebaut. Ein geeigneter Plattenspieler kann somit ohne zusätzlichen Phono-Preamp direkt angeschlossen werden. Auch ein Subwoofer-Ausgang ist vorhanden, falls im Heimkino oder bei elektronischer Musik noch mehr Tiefbass gewünscht wird.
Die L/R X können dadurch eine komplette Anlage aus Netzwerkplayer, DAC, Vollverstärker, Phono-Vorstufe, TV-Soundsystem und passiven Lautsprechern ersetzen. Genau hier liegt einer ihrer größten Vorteile.
So urteilen internationale Testberichte
Die bisherigen internationalen Berichte zeichnen insgesamt ein sehr positives, aber nicht völlig unkritisches Bild.
What Hi-Fi?: Klar, dynamisch und enorm pegelfest
What Hi-Fi? hörte die L/R X zunächst bei Cambridge Audio in London. Die Redaktion beschrieb den Klang als klar, sauber, rhythmisch und ausgesprochen dynamisch. Besonders positiv fielen die räumliche Trennung von Instrumenten, das hohe Detailniveau und die großen Lautstärkereserven auf.
Bei Prince, Alice in Chains und Hans Zimmers „Mountains“ zeigten die Lautsprecher laut What Hi-Fi? viel Rhythmus, Raum und dynamischen Spielraum. Im direkten Pegelvergleich konnten sie die KEF LS50 Wireless II deutlich übertreffen.
Allerdings handelte es sich um eine Vorführung in einem fremden Raum und nicht um einen abschließenden Labortest. Bei dem damals gehörten Vorserienmodell bemerkte die Redaktion bei hohen Lautstärken eine etwas helle und harte Hochtonkante. Cambridge Audio nahm nach dieser Vorführung weitere Änderungen an der Abstimmung vor, um genau diesen Effekt zu reduzieren. Die Einschätzung von What Hi-Fi? sollte deshalb als früher Höreindruck und nicht als endgültiges Testurteil verstanden werden. What Hi-Fi?
T3: Bass wie mit einem zusätzlichen Subwoofer
Auch T3 zeigte sich nach einer Vorführung am Londoner Firmensitz beeindruckt. Der Autor hob besonders die enorme Bassenergie hervor. Die Kombination aus zwei Tieftönern und zwei Passivmembranen pro Box habe zeitweise den Eindruck erweckt, als wäre zusätzlich ein Subwoofer angeschlossen.
Gleichzeitig lobte T3 die weite Bühne, die gute Instrumententrennung und die Balance bei orchestraler Musik. Trotz des kraftvollen Tieftons blieb der Gesamteindruck kontrolliert und sauber. T3
Soundnews: Warm, körperhaft und langzeittauglich
Besonders aufschlussreich ist der ausführliche Praxistest von Soundnews. Dort wurde das Serienmodell über einen längeren Zeitraum in einem akustisch behandelten, rund 24 Quadratmeter großen Hörraum eingesetzt.
Die Tester charakterisierten die L/R X als warm, angenehm und ermüdungsfrei. Stimmen besitzen demnach viel Körper, Gewicht und natürliche Präsenz. Gerade der Mitteltonbereich gehört zu den Stärken des Systems. Auch bei Leonard Cohen und Chris Stapleton überzeugten die Lautsprecher mit einer plastischen, körperhaften Wiedergabe.
Die Bühne wurde als breit und stabil beschrieben. Instrumente behielten auch bei steigender Lautstärke ihre Position, während die Lautsprecher als Schallquellen weitgehend aus dem Klangbild verschwanden. Der Hochton des Torus-Tweeters wirkte im Test fein und frei von störenden Zischlauten.
Soundnews stellte jedoch auch fest, dass die L/R X nicht auf maximale analytische Auflösung getrimmt sind. Sehr feine Rauminformationen, Hallfahnen und kleinste Texturen werden von besonders hochwertigen, sorgfältig zusammengestellten Einzelkomponenten noch präziser herausgearbeitet.
Der Bass reichte für die kompakte Gehäusegröße erstaunlich tief, blieb gut konturiert und zeigte selbst bei anspruchsvollen Aufnahmen keine störenden Wechselwirkungen mit Stimmen. Im tiefsten Subbass stoßen die relativ kompakten Chassis jedoch an physikalische Grenzen. Für elektronische Musik mit starken Frequenzanteilen unterhalb von 35 Hertz kann ein zusätzlicher Subwoofer sinnvoll sein.
Bei extremen Lautstärken greift außerdem die Schutzschaltung hörbar ein und reduziert die uneingeschränkte Dynamik. Positiv daran: Die Lautsprecher beginnen nicht unangenehm zu verzerren, sondern werden kontrolliert geschützt. Soundnews
Nicht nur Vorteile: Darauf sollte man achten
Die Cambridge Audio L/R X sind ein sehr vollständiges System, aber nicht für jeden Musikliebhaber automatisch die beste Lösung.
Wer bereits eine hochwertige Anlage aus sorgfältig ausgewähltem Verstärker, DAC und passiven Lautsprechern besitzt, erhält mit klassischen Einzelkomponenten mehr Möglichkeiten zum späteren Austausch und Aufrüsten. Bei einem aktiven All-in-One-System sind Elektronik, Streaming-Plattform und Lautsprecher dauerhaft miteinander verbunden.
Auch die drahtlose Kopplung der Lautsprecher erspart nicht die beiden Stromkabel. Bluetooth unterstützt lediglich SBC und AAC; hochwertige Codecs wie aptX HD oder LDAC fehlen. Für anspruchsvolles Hören sollte man daher ohnehin das Netzwerk-Streaming oder einen der digitalen Eingänge verwenden.
Die kräftige Bassabstimmung erfordert zudem eine sorgfältige Aufstellung. Auf einem resonierenden Möbelstück oder direkt an der Wand kann der Tiefton zu dominant werden. Die Raumoptimierung und der Equalizer der StreamMagic-App helfen bei der Anpassung, ersetzen aber keine vernünftige Positionierung.

Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Cambridge Audio L/R X |
|---|---|
| Bauart | Vollaktives Stereo-Streaming-System |
| Verstärkerleistung | 2 × 400 Watt Class D |
| Hochtöner | 28-mm-Torus-Aluminiumhochtöner |
| Tieftöner | 2 × 5 Zoll pro Lautsprecher |
| Passivmembranen | 2 × 6 Zoll pro Lautsprecher |
| Frequenzgang | 35 Hz–24 kHz, ±3 dB |
| Streaming-Plattform | StreamMagic Gen 4 |
| Netzwerk | Wi-Fi 5, Ethernet |
| Multiroom | AirPlay 2, Google Cast, Roon |
| Bluetooth | SBC, AAC |
| TV-Anschluss | HDMI eARC |
| Phono-Eingang | Moving Magnet |
| Digitaleingänge | USB-C, USB-A, optisch |
| Analogeingänge | RCA Aux, RCA Phono |
| Subwoofer-Ausgang | Ja |
| Verbindung der Boxen | USB-C oder WiSA HT |
| Maximale Funkauflösung | 24 Bit/96 kHz |
| Abmessungen | 200 × 330 × 260 mm je Lautsprecher |
| Gewicht | 10,4 kg je Lautsprecher |
| Farben | Schwarz, Weiß, Blau, Grün, Orange, Walnuss |
| Preis | ab rund 1.999 Euro pro Paar; Walnuss üblicherweise teurer |
mySoundbook-Fazit
Die Cambridge Audio L/R X verkörpern eine moderne Form von High Fidelity: weniger Geräte, weniger Kabel und weniger technische Hürden – aber dennoch echtes Stereo und ernst zu nehmende Klangqualität.
Besonders überzeugend ist die Kombination aus enormen Leistungsreserven, erstaunlich erwachsenem Bass, einer breiten Stereoabbildung und nahezu vollständiger Anschlussvielfalt. Streaming, TV, Computer, CD-Player und Plattenspieler lassen sich innerhalb eines einzigen Systems zusammenführen.
Klanglich scheinen die L/R X eher auf Musikalität, Körper und entspanntes Langzeithören als auf eine gnadenlos analytische Darstellung abgestimmt zu sein. Genau das dürfte vielen Hörern gefallen, die ganze Alben genießen möchten, statt jede Aufnahme permanent auf kleinste Fehler zu untersuchen.
Die L/R X sind keine billigen Lifestyle-Lautsprecher. Rechnet man jedoch Netzwerkplayer, DAC, Verstärker, Phono-Vorstufe und ein Paar leistungsfähiger Kompaktlautsprecher zusammen, erscheint der Preis von etwa 2.000 Euro durchaus konkurrenzfähig.
Für Musikliebhaber, die eine elegante, wohnraumfreundliche und sehr leistungsfähige All-in-One-Anlage suchen, gehören die Cambridge Audio L/R X zu den derzeit interessantesten aktiven Stereo-Systemen ihrer Klasse.
mySoundbook-Bewertung: Eine stilvolle und musikalisch überzeugende Komplettlösung mit echtem HiFi-Anspruch – besonders stark bei Dynamik, Stimmen, Räumlichkeit und Ausstattung.
Weitere Infos bitte beim Deutschland Vertrieb anfragen: https://www.cambridgeaudio.com/eur/de/products/speakers/active-speakers
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