Legendäres Album – Black Market – Ein Meilenstein des Jazz-Rock und der Fusion

Als das Album Black Market im Jahr 1976 erschien, befand sich die Jazz-Fusion auf einem kreativen Höhepunkt. Die Band Weather Report hatte bereits mehrere experimentelle Alben veröffentlicht, doch mit diesem Werk gelang ihr eine perfekte Balance zwischen virtuoser Komplexität, melodischer Zugänglichkeit und weltmusikalischen Einflüssen. Für viele Fans und Kritiker gehört es – zusammen mit dem später erschienenen Heavy Weather – zu den bedeutendsten Veröffentlichungen der Bandgeschichte.

Weather Report ist und bleibt einer meiner Top 10 Fusion Jazz Bands “ off all times“.


Ein Album des Übergangs – und der Erneuerung

Am 11. März 1976 veröffentlichte Weather Report bei Columbia Records ihr sechstes Studioalbum (wenn man das Live-Album Live in Tokyo von 1972 nicht mitzählt). „Black Market“ markierte einen wichtigen Wendepunkt für die Gruppe.

Im Zentrum standen weiterhin die beiden kreativen Köpfe der Band:

  • der österreichische Keyboard-Virtuose Joe Zawinul
  • und der legendäre Saxophonist Wayne Shorter

Gleichzeitig öffnete sich die Band für neue Musiker. Besonders bedeutend war der Einstieg des jungen Bassisten Jaco Pastorius, der auf zwei Stücken den bisherigen Bassisten Alphonso Johnson ersetzte. Pastorius sollte bereits auf dem nächsten Album endgültig zur ikonischen Figur von Weather Report werden – und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Bassisten der Musikgeschichte.

Auch auf der Schlagzeugposition gab es eine besondere Konstellation:
Chester Thompson (später Mitglied von Genesis) und Narada Michael Walden teilten sich die Drum-Parts auf den sieben Tracks des Albums.


Zugänglicher Fusion-Sound mit weltmusikalischen Farben

Im Vergleich zu den frühen, stark experimentellen Arbeiten der Band – etwa dem sehr freien Album I Sing the Body Electric (1972) – präsentierte sich „Black Market“ deutlich zugänglicher.

Vor allem Joe Zawinul, der die gesamte erste Albumseite komponierte, setzte auf melodischeren Jazz-Rock, der gleichzeitig von afrikanischen und anderen globalen Einflüssen geprägt war. Besonders deutlich wird das in dem Stück „Gibraltar“, das mit seinen rhythmischen Strukturen und farbigen Klangschichten zu den Höhepunkten des Albums zählt.

Die exotische Klangfarbe wurde zusätzlich durch die Percussionisten verstärkt:

  • Don Alias
  • Alex Acuña

Ein weiterer emotionaler Moment findet sich im Stück „Cannon Ball“, das Zawinul seinem ehemaligen Bandleader Julian Cannonball Adderley widmete. Hier sorgt die intensive, singende Fretless-Basslinie von Jaco Pastorius für eine außergewöhnliche Tiefe und Ausdruckskraft.


Wayne Shorters Kompositionskunst

Auch Wayne Shorter steuerte zwei Kompositionen zum Album bei:

  • „Three Clowns“
  • „Elegant People“

Diese Stücke zeigen einmal mehr Shorters außergewöhnliches Talent für raffinierte Arrangements. Seine Kompositionen verbinden komplexe Strukturen mit einer bemerkenswerten Klarheit – ein Markenzeichen seines Stils.


Der erste Weather-Report-Titel von Jaco Pastorius

Mit „Barbary Coast“ präsentierte Jaco Pastorius erstmals eine eigene Komposition für Weather Report. Der Track zeigt bereits seinen unverwechselbaren Stil: funkig, rhythmisch und voller Energie.

Der Bassist Alphonso Johnson ist auf dem Album ebenfalls noch präsent. Seine Komposition „Herandnu“ bildet den kraftvollen Abschluss der Platte. Nach etwa einer Minute baut sich der Groove immer weiter auf, getragen von einem starken Zusammenspiel zwischen Johnson und Schlagzeuger Chester Thompson, während Joe Zawinuls Synthesizer- und Fender-Rhodes-Passagen den Klangraum dominieren.


Remaster und Wiederveröffentlichungen

Das Album blieb auch Jahrzehnte später ein Klassiker der Fusion-Ära.

  • 2002 erschien eine 24-Bit-remasterte Edition bei Columbia.
  • 2014 wurde das Album Teil des Boxsets „The Columbia Albums 1976–1982“ mit sechs remasterten CDs.

Für diese Edition wurden außerdem drei Bonus-Tracks ergänzt, darunter Live-Versionen von:

  • „Portrait of Tracy“
  • „Elegant People“
  • „Black Market“

Line-up des Albums

Weather Report – Black Market (1976)

  • Joe Zawinul – Grand Piano, Fender Rhodes, ARP 2600 & Oberheim Synthesizer
  • Wayne Shorter – Sopran- & Tenorsaxophon, Lyricon
  • Jaco Pastorius – Fretless Bass
  • Narada Michael Walden – Schlagzeug
  • Chester Thompson – Schlagzeug
  • Alex Acuña – Congas, Percussion
  • Don Alias – Congas, Percussion
  • Alphonso Johnson – Bass (auf mehreren Tracks)

Fazit

„Black Market“ ist mehr als nur ein weiteres Album von Weather Report. Es ist ein Werk des Übergangs – zwischen den experimentellen frühen Jahren der Band und dem großen kommerziellen Erfolg der späteren Phase. Gleichzeitig markiert es den Beginn der Ära von Jaco Pastorius, der die Musik der Gruppe entscheidend prägen sollte.

Mit seiner Mischung aus Jazz-Virtuosität, Groove, Weltmusik-Einflüssen und melodischer Klarheit zählt Black Market bis heute zu den wichtigsten Fusion-Alben der 1970er Jahre – ein Klassiker, der auch auf Vinyl nichts von seiner Faszination verloren hat.

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