In gedenken an Etta James – „Die Stimme Amerikas“

Zum Gedenken an ihren Todestag (Winter 2012): Wenn eine Stimme für immer bleibt

Es gibt Sängerinnen, die man hört – und es gibt Sängerinnen, die einen treffen. Etta James gehörte zur zweiten Kategorie. Ihre Stimme war rau und königlich zugleich, voller Blues, Soul, Gospel und einer Lebenserfahrung, die man nicht spielen kann. Am 20. Januar 2012 verstarb sie im Alter von 73 Jahren an Komplikationen einer Leukämie-Erkrankung – und hinterließ ein musikalisches Erbe, das bis heute jede Generation neu entdeckt.

Etta James war nicht einfach nur eine große Sängerin – sie war ein Stück amerikanische Musikgeschichte. Eine Stimme, die Liebe, Schmerz, Hoffnung und Trotz in wenigen Takten erzählen konnte. Deshalb nennen viele sie bis heute: „die Stimme Amerikas“.


Von Jamesetta Hawkins zu Etta James: Eine Stimme findet ihren Platz

Geboren als Jamesetta Hawkins in Los Angeles (1938), entwickelte Etta James früh diesen unverwechselbaren Ausdruck: mal samtweich, mal wie Schmirgelpapier – aber immer wahrhaftig. Ihr Stil sprengte die Schubladen: R&B, Blues, Soul, Jazz, Gospel und Rock’n’Roll gingen bei ihr nicht getrennte Wege, sondern verschmolzen zu einer einzigen emotionalen Sprache.


„At Last“ – der Moment, der unsterblich wurde

Wer Etta James sagt, muss „At Last“ sagen. Der Song wurde zum weltweiten Symbol für Erfüllung, Sehnsucht und den einen großen Moment, in dem alles stimmt. Die Magie liegt dabei nicht nur in der Melodie – sondern in dieser Stimme, die klingt, als hätte sie alles erlebt, was sie singt.

Ihr legendäres Debütalbum „At Last!“ erschien 1960 auf Argo (Chess) und ist bis heute eine dieser Platten, die man nicht nur „gut“ findet, sondern besitzt: aus Respekt.


„I’d Rather Go Blind“ – Soul, der unter die Haut geht

Wenn „At Last“ die romantische Krone ist, dann ist „I’d Rather Go Blind“ der dunkle Diamant: ein Song, der nicht tröstet, sondern offenlegt. Etta James singt hier nicht über Herzschmerz – sie lebt ihn. Gerade deshalb wurde das Stück zu einem der größten Soul-Klassiker überhaupt.


Karriere, Comebacks und späte Größe

Etta James hatte nicht nur Höhen – sie hatte Kämpfe. Und genau daraus wuchs ihre Glaubwürdigkeit: Dieses Timbre, dieser Biss, diese Reife. Und dann, fast wie ein letzter Gruß an die Welt, veröffentlichte sie 2011 ihr finales Studioalbum „The Dreamer“ – nur wenige Monate vor ihrem Tod.


Auszeichnungen: Offiziell verewigt – längst unantastbar

Etta James wurde nicht nur geliebt, sondern auch geehrt:

  • Rock & Roll Hall of Fame (1993)
  • GRAMMY Lifetime Achievement Award (2003)

Diese Titel wirken fast klein, wenn man hört, wie groß sie in Wahrheit war.


mySoundbook Hörtipps: So klingt Etta James auf einer guten Anlage am besten

Wenn du Etta James wirklich erleben willst, hör sie nicht „nebenbei“. Gib ihr Raum – sie dankt es dir.

1) Einstieg (Gänsehaut garantiert)

  • At Last
  • Sunday Kind of Love
  • A Sunday Kind of Love (Album-Feeling!)

2) Für Soul-Fans mit starken Nerven

  • I’d Rather Go Blind
  • Tell Mama
  • Something’s Got a Hold on Me

3) Album-Empfehlungen für die Sammlung

  • At Last! (1960) – zeitlos, elegant, audiophil ein Traum
  • The Dreamer (2011) – würdiger Abschied, reif und berührend

Klang-Tipp:
Etta James lebt von Mitten und Präsenz. Eine gute Stimmenwiedergabe (sauberer Vorverstärker, stimmige Lautsprecher-Aufstellung, nicht zu scharfe Höhen) bringt ihre Emotionen direkt ins Zimmer – und macht aus „Hören“ ein Erlebnis.


Warum Etta James bleibt

Etta James war keine perfekte Figur – aber eine perfekte Interpretin. Eine Künstlerin, bei der jede Silbe Gewicht hatte. Ihre Stimme ist der Beweis, dass Musik nicht nur unterhält, sondern retten kann: durch Wahrheit, Wärme, Wucht.

Und deshalb ist jeder Gedenktag – ob im Januar oder Februar – am Ende egal.
Denn Etta James stirbt nicht. Sie singt weiter.

🖤 Ruhe in Frieden, Etta. Und danke für alles.

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