Christopher Cross prägte mit „Sailing“ den Sound einer Ära. Wir erzählen die Geschichte des Welthits, blicken auf sein Leben, seine Gesundheit, Rechte am Katalog – und was er heute noch macht.
Ich liebe seine Stimme und seine Bescheidenheit und seine unglaublichen, einfachen, aber sehr genialen Arrangements. Genau so wie George Michael, Elton John, Michael Jackson, Prince, EWF und viele andere Top-Superstars aus den 80er und 90er hat Christopher Cross mit seinem unverkennbaren Stil und seine weichen Stimme den Soft-Pop für Generationen so geprägt, als wenn die 80er Jahre bis heute andauern würden.
Ein Song wie eine offene See: Warum „Sailing“ bis heute wirkt
Es gibt Lieder, die nicht „alt“ werden – sie werden zeitlos. „Sailing“ gehört dazu: ein warmer, schwebender Soft-Rock-Klassiker, der die 80er nicht nur begleitet, sondern mitdefiniert hat. Und doch steht hinter diesem Song kein Rockstar-Klischee, sondern ein Musiker, der lange als zu leise für den Hype galt: Christopher Cross.
Der Hit erschien als Single 1980, stammt aber aus dem kreativen Umfeld seines Debüts (Christopher Cross, 1979) – aufgenommen/entwickelt in der Phase 1979.
Dass viele Fans sagen, „Sailing“ sei eigentlich ein Spät-70er-Song, trifft den Kern: Cross schrieb daran über mehrere Jahre, bevor die finale Studiofassung entstand – also klar verwurzelt in der zweiten Hälfte der 70er.
Der „Sailing“-Sound: Studio-Eleganz statt Effekthascherei
Audiophil betrachtet ist „Sailing“ ein Musterbeispiel für das, was später „Yacht Rock“ genannt wurde: glatte, aber nicht sterile Produktion, viel Luft in den Arrangements, weiche Transienten, ein Mix, der eher Umarmung als Angriff ist.
- Fein austarierte Dynamik: keine übertriebene Kompression (im Original-Charakter), dafür elegante Steigerungen.
- Weite Bühne: Keys, Gitarren und Background-Layer stehen nicht im Weg, sondern öffnen Raum.
- Stimme als Instrument: Cross’ Tenor sitzt obenauf, ohne „zu laut“ zu sein – ein seltener Sweet Spot.
Und dann dieser Refrain – nicht schreien, nicht drängen. Einfach treiben lassen.
Grammys, die heute fast unvorstellbar sind
„Sailing“ erreichte Platz 1 der US-Charts und gewann mehrere Grammys (u. a. Record of the Year / Song of the Year).
Das Debüt katapultierte Cross in einen Status, den man heute kaum noch kennt: Newcomer – und sofort ganz oben.
Christopher Cross – der Anti-Popstar
Cross erzählte später in Interviews, dass er das erste Album ohne kommerzielle Erwartung gemacht habe – eher als persönliches Statement.
Dieses „Unaufgeregte“ passt zu dem Bild, das viele Wegbegleiter und Fans zeichnen: talentiert, freundlich, wenig Eitelkeit. Nicht der Typ, der den Raum dominiert – eher einer, der ihn mit Musik füllt.
„Groß, übergewichtig, bescheiden“ – was ist belegt?
Über sein Äußeres gibt es tatsächlich belastbare zeitgenössische Angaben: Die Los Angeles Times beschrieb Cross 1986 mit 6 ft 1½ in (ca. 186–187 cm) und erwähnte sein damaliges Gewicht samt Gewichtsverlust.
Das ist wichtig, weil man so zwischen Fan-Erzählungen und dokumentierten Fakten unterscheiden kann.
Drogen? Was man seriös sagen kann (ohne Klatsch)
Zu „Drogen/Teilen/Exzessen“ kursiert viel – aber nur ein Teil davon ist öffentlich belegt.
Ein klar dokumentiertes Beispiel: In einem Beitrag im Umfeld der Doku Yacht Rock: A Dockumentary wird Cross zitiert, dass er unter LSD-Einfluss die Lyrics zu „Ride Like the Wind“ auf einer Fahrt schrieb.
Das belegt nicht automatisch ein dauerhaftes Drogenproblem, aber es zeigt: Cross hat zumindest über konkrete Drogen-Episoden offen gesprochen (im Kontext kreativer Situationen).
Alles darüber hinaus (z. B. „harte Drogen“, „ständiger Konsum“, „Teilen“) sollte man ohne verlässliche Quellen nicht als Fakt behaupten.
Gesundheit: COVID-19 und Guillain-Barré
Einer der härtesten Einschnitte kam 2020: Cross erkrankte an COVID-19 und entwickelte danach das Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Er berichtete von teils massiver Lähmung (u. a. Beine, Gesicht, Hände) und einem langen, schwierigen Weg zurück.
Das erklärt auch, warum viele Fans sein späteres Auftreten als „vorsichtiger“ wahrnahmen – er musste sich buchstäblich wieder ins Leben zurückkämpfen.

Hat Christopher Cross noch die Rechte an seinen Songs?
Ein großer Einschnitt für viele Legacy-Artists: Katalogdeals.
Im Februar 2023 wurde gemeldet, dass Seeker Music den gesamten Katalog von Christopher Cross übernommen hat – Masterrechte (Aufnahmen) und Publishing (Verlagsrechte).
Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Cross „nichts mehr bekommt“, aber die Kontrolle/Verwertung liegt typischerweise (je nach Vertrag) beim Käufer bzw. dessen Administration.
Was macht Christopher Cross heute?
Cross ist weiterhin aktiv – besonders live. Für Sommer 2026 sind umfangreiche Tourdaten in Nordamerika u. a. gemeinsam mit Toto angekündigt (32 Shows im Zeitraum Juli–August 2026, produziert von Live Nation).
Das ist die schöne Pointe seiner Karriere: Während manche seine Zeit als „nur 80er“ abheften, steht er wieder auf Bühnen – und „Sailing“ bekommt in jedem Jahrzehnt eine neue Bedeutung.
Warum Christopher Cross unterschätzt ist
Christopher Cross ist ein Sonderfall:
Er ist Gitarrist, Songwriter, Arrangeur im Geist – und ein Künstler, dessen Musik eher Atmosphäre als Attitüde verkauft. Genau deshalb wird er oft unterschätzt: Wer Lautstärke mit Größe verwechselt, übersieht die leisen Meister.
Und „Sailing“ ist der perfekte Beweis: Ein Song, der aus dem späten 70er-Songwriting-Handwerk kommt, 1980 zum Welthit wurde – und heute noch klingt, als hätte ihn jemand mit sehr gutem Geschmack frisch remastert.

Hör-Tipp für Fans
Wenn du „Sailing“ neu entdecken willst:
- Höre mit guten Kopfhörern auf die Räume zwischen Stimme und Keys.
- Achte auf die sanften Layer im Hintergrund – das ist keine Tapete, das ist Architektur.
- Die Platte gibt es auch als Digital-Recording und hat noch heute ein Top-Klangqualität
Quellen (Auswahl)
Seeker-Katalogdeal:
„Sailing“ (Aufnahme/Release/Chart/Grammys):
Entstehung über mehrere Jahre:
Gesundheit (COVID/GBS):
Größe/Gewicht zeitgenössisch:
Tour 2026:
LSD-Zitat (Ride Like the Wind):


