Expressive E Osmose – wenn ein Keyboard plötzlich atmet – einfach ein geiles Teil!

Ein Synthesizer, der nicht nur auf Anschlagstärke reagiert, sondern auf die kleinsten Bewegungen der Finger

Es gibt Instrumente, die einen bestehenden Markt verbessern. Und dann gibt es Instrumente, bei denen man nach wenigen Minuten merkt, dass jemand versucht hat, die grundlegende Beziehung zwischen Musiker und elektronischem Klang neu zu denken.

Osmose von Expressive E gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Auf den ersten Blick sieht Osmose erstaunlich konventionell aus: schwarze und weiße Tasten, vier Oktaven, Display und einige Bedienelemente. Kein futuristisches Touchpad, keine Gummifläche und kein Controller, bei dem ein Pianist zunächst seine komplette Spieltechnik vergessen muss.

Doch genau darin liegt die Besonderheit.

Unter den Fingern verhält sich diese Tastatur völlig anders als ein klassisches Keyboard. Jede einzelne Taste kann feinste Bewegungen des Spielers erfassen. Druck, zusätzlicher Druck nach dem Anschlag und seitliche Bewegungen werden Teil der musikalischen Performance.

Damit lässt sich ein Ton nicht mehr lediglich anschlagen.

Man kann ihn formen.

Die eigentliche Revolution steckt unter den Tasten

Bei einem normalen Synthesizer entscheidet zunächst die Anschlagdynamik darüber, wie ein Ton erklingt. Danach kommen Pitch-Wheel, Modulationsrad, Aftertouch, Pedale oder Drehregler ins Spiel.

Osmose verfolgt einen anderen Ansatz: Viele dieser Ausdrucksmöglichkeiten wandern direkt unter die Finger des Musikers.

Die spezielle Tastatur ermöglicht unter anderem fein abgestufte Druckbewegungen, polyphone Modulation sowie seitliche Bewegungen einzelner Tasten. Dadurch können beispielsweise Vibrato, Pitch-Veränderungen oder klangliche Veränderungen für einzelne Noten eines Akkords erzeugt werden. Genau diese Verbindung aus vertrauter Klaviatur und individueller Kontrolle jeder Note unterscheidet Osmose von vielen herkömmlichen MIDI-Keyboards. Sound on Sound

Das kann sich beim Spielen erstaunlich organisch anfühlen.

Ein Bläserklang kann durch zusätzlichen Fingerdruck intensiver werden. Ein Streicherklang lässt sich ähnlich einem Vibrato modulieren. Bei einem synthetischen Pad können einzelne Töne eines Akkords unterschiedlich verändert werden.

Plötzlich entsteht etwas, das elektronischen Instrumenten lange gefehlt hat:

direkter körperlicher Ausdruck.

MPE – aber für Keyboardspieler gedacht

Hinter dem Konzept steht unter anderem MPE – MIDI Polyphonic Expression.

Vereinfacht gesagt erlaubt MPE, einzelne Noten innerhalb eines mehrstimmigen Spiels unabhängig voneinander zu beeinflussen. Bei einem traditionellen MIDI-Keyboard wirken Pitch Bend oder viele Controllerdaten dagegen häufig auf den gesamten Klang beziehungsweise MIDI-Kanal.

Osmose geht mit seiner internen Kommunikation sogar darüber hinaus. Sound On Sound beschreibt das interne MPE+-System als höher aufgelösten Ansatz, der besonders schnelle und fein abgestufte Reaktionen zwischen Tastatur und interner Klangerzeugung ermöglicht. Sound on Sound

Für den Musiker ist die Technik dahinter allerdings weniger wichtig als das Ergebnis:

Der Klang folgt den Fingern.

Und genau deshalb ist Osmose nicht einfach ein weiterer Synthesizer mit einer langen Feature-Liste.

Im Inneren arbeitet die EaganMatrix

Mindestens ebenso ungewöhnlich wie die Tastatur ist die Klangerzeugung.

Expressive E entwickelte Osmose in Zusammenarbeit mit Haken Audio, bekannt durch das Continuum Fingerboard. Im ursprünglichen Osmose arbeitet die EaganMatrix, eine äußerst komplexe digitale Synthese-Engine.

Sie beherrscht unter anderem virtuelle analoge Synthese, FM-basierte Verfahren, Physical Modeling und weitere komplexe Syntheseformen. Das System verfügt über bis zu 24-stimmige Polyphonie. Sound on Sound

Besonders Physical Modeling passt hervorragend zum Konzept.

Anstatt lediglich Samples eines Instruments abzuspielen, können mathematische Modelle Eigenschaften schwingender Saiten, Resonanzkörper oder anderer akustischer Systeme nachbilden. Kombiniert man solche Klänge mit einer extrem fein reagierenden Tastatur, entsteht eine bemerkenswerte Verbindung zwischen Fingerbewegung und Klang.

Osmose versucht deshalb gar nicht unbedingt, ein Saxophon oder Cello perfekt zu kopieren.

Viel interessanter ist die Möglichkeit, Klänge zu erschaffen, die sich ähnlich lebendig wie akustische Instrumente verhalten, aber in der realen Welt überhaupt nicht existieren müssen.

Sound On Sound lobte insbesondere diese unmittelbare Verbindung zwischen Tastatur und Klangerzeugung und beschrieb die Sensitivität als außergewöhnlich musikalisch. Sound on Sound

Ein Instrument für Sounddesigner – aber nicht nur

Hier liegt eine weitere Stärke.

Man muss nicht zwangsläufig tief in die EaganMatrix einsteigen.

Die interne Synthese-Architektur ist ausgesprochen komplex und kann für Musiker, die klassische Synthesizer mit Oszillator-, Filter- und Hüllkurvenreglern gewohnt sind, zunächst ungewohnt erscheinen. MusicRadar bezeichnete gerade den Editor als einen der Bereiche, die Einsteiger überfordern können. MusicRadar

Wer dagegen einfach spielen möchte, kann auf die zahlreichen Presets zurückgreifen und diese über zugänglichere Parameter verändern.

Das macht Osmose zu einem interessanten Hybrid:

Unter der Haube steckt ein enorm komplexer Synthesizer – vor dem Musiker steht aber zunächst ein Instrument.

Und genau diese Philosophie gefällt uns bei mySoundbook.

Für wen eignet sich Osmose?

Keyboarder und Pianisten dürften zu den interessantesten Zielgruppen gehören. Wer bereits Klavier oder Synthesizer spielt, muss nicht auf eine komplett fremde Spielfläche wechseln. Die Osmose-Klaviatur bleibt grundsätzlich vertraut, erweitert die traditionelle Spieltechnik aber um zusätzliche Ausdrucksebenen. Pianisten müssen sich allerdings an den ungewöhnlich großen Bewegungsweg und die besondere Federung der Tasten gewöhnen. MusicRadar

Filmkomponisten und Soundtrack-Produzenten können besonders von den organischen Übergängen profitieren. Streicherähnliche Texturen, atmosphärische Flächen, experimentelle Klanglandschaften und expressive Solostimmen lassen sich wesentlich unmittelbarer gestalten als mit einem gewöhnlichen Controller.

Sounddesigner und elektronische Musiker bekommen mit der EaganMatrix wiederum eine außergewöhnlich tiefe Syntheseplattform. Hier geht es weniger darum, den hundertsten klassischen Minimoog-Sound zu programmieren, sondern neue Verbindungen zwischen Spielbewegung und Klangstruktur zu entwickeln.

Und schließlich ist Osmose ausgesprochen interessant für Live-Musiker. Statt während eines Solos ständig Modulationsräder und Regler bedienen zu müssen, können viele Veränderungen direkt über die spielende Hand erzeugt werden.

Für wen ist Osmose eher nicht gedacht?

Wer hauptsächlich realistische Piano-Samples spielt und eine schwere Hammermechanik erwartet, findet passendere Masterkeyboards oder Stagepianos. Sound On Sound weist ebenfalls darauf hin, dass die federnde Osmose-Tastatur nicht die erste Wahl für klassisches Pianospiel wäre. Sound on Sound

Auch Produzenten, die überwiegend Noten in der DAW einzeichnen und ein Keyboard lediglich zur schnellen MIDI-Eingabe benötigen, schöpfen das Konzept kaum aus.

Osmose lohnt sich vor allem dann, wenn Performance selbst Teil des Sounds sein soll.

Osmose Synth oder Osmose CE?

2026 ist diese Frage besonders interessant geworden.

Der klassische Osmose Synth ist das eigenständige Instrument: Tastatur und EaganMatrix befinden sich gemeinsam im Gehäuse. Man kann einschalten und spielen, ohne Computer und Plug-ins.

Mit Osmose CE hat Expressive E inzwischen eine zweite Richtung eingeschlagen. Die CE-Version verwendet dieselbe expressive Keybed-Technologie, verzichtet jedoch auf die interne Synthese-Engine und konzentriert sich auf die Rolle als Controller für Computer, DAW und externe Klangerzeuger. Expressive E bietet sie mit 49 oder 61 Tasten an; die Herstellerpreise liegen aktuell bei 999 bzw. 1.199 US-Dollar, während der Osmose Synth laut Hersteller ab 1.799 Euro angeboten wird. Osmose CE arbeitet außerdem mit der Ctrl-E-Software und einem Ökosystem von mehr als 900 expressiven Presets. MusicRadar

Das macht die Entscheidung vergleichsweise einfach:

Wer ein eigenständiges Musikinstrument sucht, sollte sich Osmose Synth ansehen. Wer ohnehin vollständig mit DAW und Software-Synthesizern arbeitet, für den ist Osmose CE wahrscheinlich die spannendere Variante.

mySoundbook Fazit

Osmose ist für uns vor allem deshalb interessant, weil Expressive E nicht versucht hat, einfach noch einen Synthesizer zu bauen.

Das Unternehmen stellt eine viel grundsätzlichere Frage:

Warum sollte ein elektronischer Musiker weniger direkten Einfluss auf seinen Ton haben als ein Geiger, Gitarrist oder Saxophonist?

Genau hier beginnt die Faszination von Osmose.

Das Instrument ersetzt weder Klavier noch klassischen Synthesizer und will das vermutlich auch gar nicht. Es erweitert vielmehr die Tastatur um eine Dimension, die elektronischen Keyboards jahrzehntelang gefehlt hat: den Ton nach dem Anschlag mit den Fingern weiterleben zu lassen.

Für Pianisten, Keyboarder, Filmkomponisten, Sounddesigner und experimentierfreudige Produzenten ist Osmose deshalb eines jener Instrumente, die man nicht ausschließlich anhand ihrer technischen Daten beurteilen sollte.

Man muss es spielen.

Und möglicherweise liegt genau darin seine größte Stärke.

Weitere Infos und Beratung findet Ihr bei Music Store Professional in Köln auf der Webseite: https://www.musicstore.de/de_DE/EUR/Expressive-E-Osmose-61-CE/art-SYN0009280-000?campaign=GShopping/DE&ProgramUUID=f68KAQMESfgAAAGesyd3W97C&gad_source=1&gad_campaignid=23633279269&gbraid=0AAAAAD72LWCFZdHBsmil1Q_gAl9t9HPQt&gclid=CjwKCAjwifjVBhBKEiwAYx4K9BW6wXEocq3NNUne7MN64GaLAONOsFQ13OoutVeYK7Qvo5uMVoIkQxoCn2sQAvD_BwE

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