Michael Franks: „Rendezvous in Rio“ – der Soundtrack für einen Sommer, der niemals endet

Es gibt Stimmen, die uns sofort an einen anderen Ort bringen. Bei Michael Franks genügt ein gesungener Satz: Der Alltag rückt in die Ferne, das Licht wird wärmer und irgendwo wartet eine Terrasse mit Blick aufs Meer. „Rendezvous in Rio“ ist Musik für genau diese Momente.

Wer sich gerne an die goldenen 80er des eleganten Jazz-Pop erinnert, kennt dieses Gefühl: Die Anlage läuft, das Plattencover liegt neben dem Sofa und für eine Weile hat die Welt draußen Pause. Michael Franks gehört zu den Künstlern, deren Musik dieses Lebensgefühl besonders schön bewahrt.

Sein Gesang braucht keine großen Gesten. Die sanfte, beinahe gesprochene Stimme, das entspannte Phrasieren und sein feiner Humor schaffen eine Nähe, die auch nach Jahrzehnten ihren Reiz behält. Franks klingt wie jemand, der uns eine Geschichte erzählt – und genügend Zeit mitgebracht hat.

Von den 80ern nach Rio

Mit „Objects of Desire“ (1982), „Passionfruit“ (1983), „Skin Dive“ (1985) und „The Camera Never Lies“ (1987) hinterließ Michael Franks eine Reihe von Alben, die bis heute zu einer Entdeckungsreise durch seinen Jazz-Pop einladen.

„Rendezvous in Rio“ erschien erst am 27. Juni 2006 bei Koch Records. Als sommerlicher Albumtipp fügt es sich jedoch wunderbar in diese musikalische Reise ein: zehn Stücke, rund 52 Minuten und reichlich Gelegenheit, die Uhr aus dem Blick zu verlieren.

Brasilianische Musik ist dabei eine langjährige Inspiration für Franks. Besonders Antônio Carlos Jobim prägte sein Schreiben. Für „Rendezvous in Rio“ arbeitete er unter anderem mit Chuck Loeb, Jeff Lorber, Jimmy Haslip, Scott Petito und Charles Blenzig zusammen.

„Under the Sun“: Der Urlaub beginnt im Kopf

Schon der Titel des Auftakts liefert das passende Bild: „Under the Sun“. Raus aus dem Grau, hinein in die Wärme.

Als Einstieg in einen entspannten Abend ist dieser Song eine herrliche Einladung. Dazu passen offene Fenster, ein kühles Getränk und die Entscheidung, das Telefon für eine Weile liegen zu lassen. Michael Franks gehört zu jenen Sängern, denen man gerne zuhört, weil sie einem Raum lassen.

Der anschließende Titelsong „Rendezvous in Rio“ führt die Reise weiter. Bereits sein Name verspricht eine Verabredung mit Leichtigkeit, brasilianischer Lebensfreude und jener kleinen Sehnsucht, die jeden schönen Urlaub begleitet.

Brasilianische Wärme und ein Augenzwinkern

Ein besonderer Hintergrund steckt in „Samba do Soho“: Die Komposition stammt von Paulo Jobim und Ronaldo Bastos. Franks übernimmt hier einen fremden Song – eine vergleichsweise seltene Entscheidung in seinem Werk. Pamela Driggs begleitet ihn im portugiesischen Refrain.

Zum Charakter des Albums gehören auch die spielerischen Titel: „The Critics Are Never Kind“, „Scatsville“ und „The Chemistry of Love“. Darin steckt bereits viel von der Persönlichkeit dieses Songwriters: Witz, Sprachgefühl und ein liebevoller Blick auf menschliche Eigenheiten.

Mit „The Cool School“ und „Hearing Take Five“ wartet außerdem Stoff für Jazzfreunde, die hinter einer angenehmen Oberfläche gerne genauer hinhören. Gerade diese Verbindung macht Franks so reizvoll: Seine Musik ist zugänglich, ohne dass man nach dem ersten Durchgang schon alles entdeckt hätte.

Ein Album für Sommerabende – auch im Oktober

Natürlich funktioniert „Rendezvous in Rio“ im Urlaub. Beim Lesen auf dem Balkon. Zum Abendessen mit Freunden. Oder auf einer langen Fahrt Richtung Süden.

Vielleicht entfaltet es seinen größten Charme aber dann, wenn der Sommer längst vorbei ist. Draußen wird es früh dunkel, der Regen zieht über die Fenster und Michael Franks erinnert uns daran, wie sich Wärme anfühlt.

Für mySoundbook ist das ein guter Grund, dieses Album wieder hervorzuholen: Musik kann Erinnerungen wachhalten und gleichzeitig neue schaffen. Manchmal beginnt der nächste kleine Urlaub direkt zwischen den Lautsprechern.

Unsere Empfehlung für Vinylfreunde

Wer Michael Franks auf dem Plattenspieler erleben möchte, sollte nach LP-Ausgaben von „Passionfruit“, „Skin Dive“ oder „The Camera Never Lies“ Ausschau halten. Diese Alben führen direkt zurück in seine 80er-Jahre.

„Rendezvous in Rio“ empfehlen wir ergänzend als CD- oder Streaming-Album. Eine verlässlich bestätigte Vinyl-Ausgabe liegt dieser Empfehlung nicht zugrunde.

Beim Gebrauchtkauf lohnt sich ein genauer Blick auf den Zustand der Platte. Für Musik mit einer zurückhaltenden Stimme und vielen leisen Momenten ist eine sauber erhaltene LP besonders angenehm.

Unser Fazit: Michael Franks liefert den passenden Soundtrack für alle, die ihren Feierabend gerne etwas länger genießen. „Rendezvous in Rio“ macht Lust auf Sonne, gute Gesellschaft und einen weiteren Durchgang.

Anspieltipp: Mit „Under the Sun“ beginnen – und anschließend dem ganzen Album Zeit geben.

🎧 „Rendezvous in Rio“ auf YouTube anhören

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