Gibson – der Kulthersteller von E-Gitarren meldet Insolvenz an

Dem Pionier der elektrischen Gitarre droht das Ende: Die Kultfirma Gibson ist nicht mehr in der Lage die Rechnungen zu bezahlen. Gibson steht mit etwa 500 Millionen Dollar bei Geldgebern in der Schuld und kann nur noch durch eine radikale Umschuldung vor der Pleite bewahrt werden.

Um sich sanieren zu können, hat die Firma vorläufigen Gläubigerschutz beantragt. Gibson hat bereits jetzt einen Sanierungs- und Umstrukturierungsplan vorgelegt, dem mehr als zwei Drittel der Gläubiger zugestimmt hätten, sagte Firmenchef Henry Juszkiewicz. Im Rahmen der Vereinbarung mit den Geldgebern soll Gibson nach Angaben von Juszkiewicz einen neuen Kredit in Höhe von 135 Millionen Dollar erhalten. Der Geschäftsbetrieb könne während der Umstrukturierung aufrechterhalten werden.

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Die Ausbreitung in andere Branchen wurde Gibson zum Verhängnis Die Firma, auf deren Gitarren schon Legenden wie Elvis Presley, John Lennon, Paul McCartney, Johnny Cash oder Jimi Hendrix spielten, steckt trotz eines Jahresumsatzes von rund 1,2 Milliarden Dollar in akuter Finanznot. Man hatte schon länger vor Problemen bei der Rückzahlung von Bankkrediten und Anleihen gewarnt. Gibson versuchte in den vergangenen Monaten bereits Geld durch den Verkauf von Beteiligungen, Immobilien und Geschäftsbereichen zusammen zu bekommen – doch offenbar nicht ausreichend.

Die finanziellen Probleme der weltberühmten Firma, dessen Wurzeln bis 1894 zurückreichen, waren entstanden im Zuge ihrer Ausbreitung in andere Branchen. Vor vier Jahren etwa hatte Gibson die auf Kopfhörer und Lautsprecher spezialisierte Sparte des niederländischen Konzerns Philips für 135 Millionen Dollar gekauft – ein gewagter Zukauf, der als einer der Hauptgründe für die Misere des Unternehmens gilt. Gibson schickte 1936 die weltweit erste E-Gitarre in die Serienfertigung und verkauft pro Jahr mehr als 170 000 Gitarren in rund 80 Ländern.

Orville Gibson ist im übrigen der Namensgeber für die spätere Gibson Guitar Corporation. Er wurde 1856 bei Chateaugay im US-Bundesstaat New York geboren. Im Jahr 1881 war der junge Gibson im Melderegister von Kalamazoo im US-Staat Michigan aufgeführt. Nach einigen anderen beruflichen Tätigkeiten führte er etwa ab 1894 einen auf Mandolinen spezialisierten Laden für Musikinstrumente in Kalamazoo. Während dieser Zeit experimentierte er mit der Übertragung von Herstellungsverfahren aus dem Geigenbau auf Zupfinstrumente. Im Jahr 1898 erhielt er ein US-Patent für ein Konstruktionsprinzip für Archtop-Mandolinen und -Gitarren. Anfang 1902 verkaufte Gibson die Rechte an der Verwendung seines Namens und des Patents an eine Gruppe Geschäftsleute, die im selben Jahr die Gibson Mandolin-Guitar Manufacturing Company gründeten und Orville Gibson als Berater anstellten. Der erste Katalog der Firma Gibson erschien 1903 und bot Mandolinen, Mandolas, Gitarren und „Harp“-Gitarren an. Bereits im selben Jahr verließ Orville Gibson das Unternehmen, woraufhin ihm für die folgenden fünf Jahre eine jährliche Abfindung sowie eine lebenslange monatliche Rente zugestanden wurden. Orville Gibson starb im Jahre 1918 im Alter von gerade 62 Jahren.