Henri Belolo – der Schöpfer der Village People ist mit 82 gestorben

Sein Sohn bestätigte den Tod des in Casablanca, Marokko geborenen Komponisten am 03. August 2019. Henri Belolo war Miterfinder der Kultband Village People. Die französische Musikrechte-Gesellschaft Sacem teilte die Nachricht von seinem Tod der Nachrichtenagentur AFP mit. Im Kurzbotschaftendienst Twitter bekundete die Organisation ihre Trauer.

„Belolo war einer der Pioniere der Disko-Bewegung der späten Siebzigerjahre. Zusammen mit seinem französischen Kollegen Jacques Morali stellte er nach dem Umzug der beiden nach New York die sechsköpfige Band Village People zusammen, die mit Hits wie „YMCA“, „In the Navy“ und „Macho Man“ Riesenhits feierte“.

Die Band mit den Figuren muskelbepackter Bauarbeiter, Biker, Cowboys und Soldaten wurde schnell zu einer Ikone der Popkultur, „YMCA“ wurde zur einer Hymne.

Belolo und Morali waren bereits in Frankreich mit ihrem Label Carabine erfolgreich, bevor sie 1973 in die USA auswanderten. Dort gründeten sie das Disco-Trio The Ritchie Family, das mit „The Best Disco in Town“ 1976 einen Welthit landete. Anfang der Achtzigerjahre halfen die beiden Franzosen mit der Band Break Machine, die Hip-Hop-Kultur in Europa populär zu machen.

Ihr Musiklabel Scorpio spielte beim Siegeszug der House-Musik in Frankreich ein Jahrzehnt später eine wichtige Rolle. Morali, der auch Lieder für Popdiva Cher schrieb, starb bereits 1991 an Aids.

Village People sind eine amerikanische Disco-Band, die sich in den späten 1970er Jahren formiert hat. Markenzeichen der für eine schwule Zielgruppe gecasteten Band sind neben den eingängigen Melodien die Kostüme, durch welche die Bandmitglieder maskuline Stereotype verkörpern: der Polizist, der Indianer, der Bauarbeiter, der Rocker, der Cowboy und der Soldat. Themen, die mit männlicher Homosexualität assoziiert werden, sind – subtil eingewoben – in den Texten und Songtiteln zu finden. Ihre Hits (Y.M.C.A., In the Navy, Macho Man) werden bis heute oft gespielt und fungieren (auch unbemerkt) als Schnittstelle zwischen schwuler Kultur und Mainstream.

Die Band wurde von dem französischen Produzenten-Duo Jacques Morali/Henri Belolo ins Leben gerufen. Der Bandname der im Rahmen eines Castings gegründeten Gruppe nahm Bezug auf das von schwuler Subkultur stark geprägte Stadtviertel Greenwich Village, das zu Manhattan gehört und umgangssprachlich nur The Village (dt. Das Dorf) genannt wird.

Es gibt zwei recht ähnliche Versionen darüber, was Auslöser der Bandgründung war. Die Version von Henri Belolo selbst:

Die beiden Produzenten sahen in besagtem New Yorker Stadtteil den als Indianer verkleideten Felipe Rose die Straße hinuntergehen und folgten ihm in eine Gay-Bar, wo er bediente und tanzte. Als sie bemerkten, dass ein Cowboy Rose beim Tanzen zusah, kamen sie auf die Idee, eine Gruppe von fünf Männern zusammenzustellen, die durch eine Verkörperung unterschiedlicher Modelle von klassischer Männlichkeit ein schwules Publikum ansprechen sollten.

Einer weiter verbreiteten Mainstream-Version der Bandgründung zufolge findet Jacques Morali Felipe Rose in seinem Indianerkostüm in einer Menge in New Yorks Greenwich Village tanzend. Roses Outfit bringt ihn auf die Idee, eine Gruppe von Village-Ikonen aus verschiedenen amerikanischen sozialen Gruppen zusammenzustellen.

YMCA – der Welt Hit

Als die Produzenten an den Liedern zum dritten Album arbeiteten, gingen die beiden eine Straße entlang; Henri sah das Schild YMCA und fragte, was das sei. Jacques antwortete, dass es ein Ort sei, wo viele Leute hingingen, wenn sie in der Stadt seien, dort gute Freunde finden würden und dann miteinander ausgingen. Henri meinte, darüber könnte man doch einen Song schreiben. So entstand Y.M.C.A. für das dritte Album Cruisin. Das Musikarrangement dazu stammt von Horace Ott. Die YMCA (Young Men’s Christian Association, dt. CVJM, Christlicher Verein Junger Männer, seit 1985 in Deutschland Christlicher Verein junger Menschen, in den USA gibt es eine eigene YWCA (Young Women’s Christian Association)) war zur damaligen Zeit in den USA bekannt für ihre Familien-, Unterrichts- und Gesundheitsprogramme, Sommerlager, Sportzentren und die preisgünstigen Jugendherbergen, die in dem Lied erwähnt werden. Da es sich um einen Verein für Männer handelte, war er bei Schwulen durchaus beliebt. Daher lebt der Song bis heute von seiner Doppeldeutigkeit, da er sich vordergründig als Lobeshymne auf den Verein präsentiert, jedoch auch insbesondere Bezug auf die ihm angehörenden Schwulen und die Gemeinschaft unter ihnen nimmt.

Mit dem Song schaffte die Band den Durchbruch und der Song wurde weltweit in den Charts und in den Clubs Nummer-eins-Hit, bis auf die Billboard-Charts in den USA, wo sie nur auf dem zweiten Platz landeten, da Rod Stewart mit Do Ya Think I’m Sexy die Spitzenposition besetzte. Y.M.C.A. ist bis heute einer der kommerziell erfolgreichsten Popsongs der Musikgeschichte. Eingedeutscht wurde der Titel im übrigen von der Berliner Vokal-Gruppe Sunday (noch bevor Sänger Dieter Bohlen zu der Gruppe stieß) als CVJM (1978, bei Toledo, B-Seite: Bleib noch eine Nacht).

Das Album Cruisin‘ bekam Platin und wurde weltweit fünf bis sechs Millionen Mal verkauft. Zum Lied erdachten Fans einen Tanz, bei dem die vier Buchstaben des Titels mit Armen und Beinen dargestellt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.