TV-Hersteller Loewe stellt seinen Betrieb ein

Seit vielen Jahren hat das oberfränkische Unternehmen Loewe bereits mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Das Werk in Kronach stellt aus diesem Grund den Betrieb ein. Die meisten der mehr als 400 Mitarbeiter erscheinen nicht mehr zur Arbeit. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß verbleibt nur eine Kernmannschaft von zehn bis fünfzehn Mitarbeitern. Diese Mitarbeiter sollen in den kommenden Monaten weiter nach einem rettenden Investor suchen. Eine der wichtigsten Aufgaben für den Insolvenzverwalter und den Loewe-Betriebsrat ist nun die Aushandlung eines Sozialplans für die Belegschaft. Weiß hofft eigenen Angaben zufolge, dies bis Mitte Juli abschließen zu können.

Derzeit sind die Mitarbeiter zwar freigestellt und bekommen auch kein Gehalt mehr von Loewe, doch gekündigt worden ist bislang niemand. Das darf erst nach einer Einigung auf einen Sozialplan und Interessenausgleich geschehen. Findet sich kein Investor, könnten die Arbeitsverträge Weiß zufolge längstens bis Ende Oktober gehalten werden.

Für Loewe ist es die zweite existenzbedrohende Krise innerhalb weniger Jahre. „Loewe hatte schon seit Jahren einen defizitären Geschäftsbetrieb“, sagte Weiß. „Alle im Unternehmen sind sich einig, dass die Vergütungsstruktur nicht angemessen ist. Allein um die Personalkosten zu decken, wäre ein Jahresumsatz von 150 Millionen Euro erforderlich, für eine schwarze Null bräuchten wir 180 Millionen Euro Umsatz. Tatsächlich waren es zuletzt 120 Millionen.

Das Unternehmen wurde 1923, dem Jahr der Einführung des Hörfunks in Deutschland, von den Brüdern David Ludwig Loewe (1884–1936) und Siegmund Loewe in Berlin gegründet. Durch Unterstützung des Autodidakten Manfred von Ardenne (1907–1997) ist Loewe die erste kabellose Fernseh-Übertragung gelungen. Dies war der Grundstein des heute bekannten Fernsehens.  Aus diversen Verstärkerröhren und anderen Teilen entstand in seinem Labor in Berlin-Lichterfelde 1930 die erste Übertragungseinheit. Am 22. August 1931 wurde auf der IFA sein Flying Spot Scanner (Leuchtfleck-Abtaster) vorgestellt. Sogar die New York Times berichtete damals auf der Titelseite über die Erfindung.

Im Laufe seiner 90-jährigen Geschichte wechselten Unternehmensname und Rechtsform mehrfach. Der Hauptsitz sowie die Produktionsstätte ist im oberfränkischen Kronach. Loewe produzierte seit seiner Gründung in Deutschland und ist damit einer der wenigen verbliebenen Fernsehhersteller mit Sitz in Europa. Zum Sortiment gehören neben Fernsehgeräten auch Blu-ray-Player, Harddisk-Recorder, Multiroom-Anlagen, Lautsprecher und Racks. Loewe stellt zum 1. Juli 2019 vorerst den Geschäftsbetrieb ein, da das Insolvenzverfahren in Eigenregie gescheitert ist.

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